Serviceauswahl in der SAP BTP
SAP BTP – und was jetzt?
Das erwartet Sie in diesem Artikel:
SAP BTP – und was jetzt? Orientierung im SAP-Plattform-Dschungel
Viele SAP-Kunden stehen aktuell vor der gleichen Situation: S/4HANA ist (oder wird) eingeführt, das ERP läuft stabil – und trotzdem wächst der Druck, schneller zu innovieren. Neue Geschäftsmodelle, Integrationsanforderungen, regulatorische Vorgaben und der Wunsch nach Automatisierung prallen auf ein System, das bewusst stabil und standardnah gehalten werden soll.
Mit der SAP Business Technology Platform (BTP) liefert SAP eine Vielzahl an Services, um die genannten Herausforderungen anzugehen – doch genau hier beginnt das eigentliche Problem:
- Welche Services brauche ich wirklich?
- Wo beginnt die BTP – und wo endet mein ERP?
- Wie verhindere ich neue Z-Silos, diesmal in der Cloud?
Ohne klare Einordnung wird die BTP schnell als unübersichtlich, teuer oder „nice to have“ wahrgenommen.
Fehlt klares Architekturverständnis entstehen typische Risiken:
- Erweiterungen landen weiterhin direkt im ERP und gefährden den Clean Core
- Schnittstellen wachsen unkontrolliert
- Cloud-Services‑ werden isoliert genutzt, ohne strategischen Mehrwert
- Innovationsinitiativen verlaufen im Sand, weil Betrieb und Governance fehlen
Die Folge: steigende Komplexität, hohe Betriebskosten und Frustration auf Fach- und IT-Seite.
Diese Risiken zeigen: Das eigentliche Problem ist nicht der Mangel an Technologie, sondern der Mangel an Orientierung. Viele SAP-Kunden stehen nicht vor der Frage, ob sie innovieren müssen, sondern wie sie dies tun können, ohne den stabilen ERP-Kern zu gefährden. Genau an dieser Stelle setzt die SAP Business Technology Platform an – nicht als weiteres Tool, sondern als strategischer Architekturansatz, um Innovation, Integration und Erweiterung kontrolliert und zukunftssicher umzusetzen.
Was ist die SAP BTP wirklich?
Die SAP Business Technology Platform ist keine einzelne Anwendung, sondern die technologische Grundlage für Innovation, Integration und Erweiterung rund um SAP-Systeme.
Die Kernidee lautet: Innovation ermöglichen, ohne den ERP-Kern zu destabilisieren.
SAP hat sich bewusst für einen Plattformansatz entschieden, um:
- den Clean-Core-Gedanken konsequent umzusetzen
- Erweiterungen upgrade-sicher auszulagern
- SAP und Non-SAP-Systeme einheitlich zu integrieren
- Daten, Analytics und KI eng mit Geschäftsprozessen zu verzahnen
Um die genannten Anforderungen zu erfüllen und die angebotenen Services nach Aufgabenbereichen zu unterteilen, gliedert SAP die BTP in fünf Säulen.
Die fünf Säulen der BTP

SAP Business Technology Platform mit ihren fünf Säulen als Fundament für ein zukunftsfähiges Cloud-ERP
1. Application Development & Automation
Ziel dieser Säule ist es, Erweiterungen und individuelle Anwendungen außerhalb des ERP-Kerns bereitzustellen und Prozesse gezielt zu automatisieren, um Innovation zu ermöglichen, ohne den Clean Core zu beeinträchtigen.
Typische Einsatzszenarien:
- Side-by-Side-Extensions zu S/4HANA
- Custom UIs, Validierungen, Workflows
- Automatisierung manueller Prozesse
Beispielservices:
- SAP Build Apps
- SAP Build Code
- SAP Build Process Automation
2. Data & Analytics
Ziel dieser Säule ist eine konsistente, systemübergreifende Datenbasis, um transparente Analysen in Echtzeit zuzulassen und datengetriebene Entscheidungen zu unterstützen.
Mehrwerte:
- Echtzeit ‑Analytics
- Harmonisierung von Datenmodellen
- Grundlage für AI Use Cases
Beispielservices:
- SAP HANA Cloud
- SAP Analytics Cloud
- SAP Datasphere
3. Integration
Ziel dieser Säule ist Voraussetzungen für eine Architektur mit loser Kopplung, klaren Verantwortlichkeiten und skalierbaren, wiederverwendbaren Schnittstellen zu schaffen.
Beispielservices:
- SAP Integration Suite
- Connectivity Service
- Event Mesh
4. Artificial Intelligence
Ziel dieser Säule ist Voraussetzungen für eine Architektur mit loser Kopplung, klaren Verantwortlichkeiten und skalierbaren, wiederverwendbaren Schnittstellen zu schaffen.
Die AI-Services der BTP ermöglichen:
- KI direkt in Geschäftsprozessen
- Governance und Compliance
- Nutzung harmonisierter Geschäftsdaten
Beispielservices:
- SAP AI Core
- AI Launchpad
- SAP Document AI
5. Foundation / Cross Services
Ziel dieser Säule ist es, die technische und organisatorische Basis für Betrieb, Sicherheit und Skalierbarkeit bereitzustellen, damit alle BTP-Lösungen zuverlässig, regelkonform und effizient entwickelt und betrieben werden können.
Inhalte:
- Runtimes (ABAP, Cloud Foundry, Kyma)
- Identity & Security (Beispielservices: Cloud Identity Services, Authorization and Trust Management Service)
- Monitoring & Lifecycle Management (Beispielservices: Audit Log Service, Continuous Integration & Delivery)
Wie wähle ich die passenden BTP-Services für meinen Business Case?
Die wichtigste Regel lautet: Nicht vom Service, sondern vom Business Problem ausgehen.
1. Business Capability verstehen
Am Anfang steht immer das fachliche Ziel, nicht die Technologie.
Zentrale Leitfragen sind:
- Welcher End-to-End-Prozess soll verbessert oder neu ermöglicht werden?
- Welches konkrete Problem wird heute nicht oder nur ineffizient gelöst?
- Wo entsteht ein messbarer Business-Mehrwert (z. B. Zeitersparnis, Kostenreduktion, Qualität, Compliance)?
SAP verfolgt hier bewusst einen prozessorientierten Ansatz. Werkzeuge wie SAP Signavio helfen, Ist-Prozesse transparent zu machen und Verbesserungspotenziale faktenbasiert zu identifizieren.
2. Clean Core prüfen
Ein zentrales Leitprinzip der SAP BTP ist der Clean Core. Jede Service-Entscheidung sollte daher kritisch hinterfragt werden.
Die zentrale Frage lautet:
Kann dieser Use Case umgesetzt werden, ohne den ERP-Core zu verändern?
Ist die Antwort ja, ist die BTP der richtige Ort für die Umsetzung.
Ist die Antwort nein, sollte geprüft werden, ob:
- der Business Case wirklich kernnah ist oder
- eine Side-by-Side-Architektur den gleichen Mehrwert liefern kann.
SAP positioniert die BTP explizit als strategische Erweiterungsplattform, um individuelle Anforderungen umzusetzen, ohne Upgradefähigkeit, Wartbarkeit und Stabilität des ERP-Systems zu gefährden.
3. Kategorie bestimmen
Im nächsten Schritt wird der Business Case einer übergeordneten Kategorie zugeordnet. Diese Einordnung dient als erster Filter für die Auswahl passender BTP-Services:
- Erweiterung → Application Development & Automation
(z. B. Side-by-Side-Extensions, Custom Apps, Workflows) - Integration → Integration Suite
(z. B. SAP ↔ Non-SAP, API-basierte oder eventgetriebene Integration) - Transparenz & Steuerung → Data & Analytics
(z. B. Reporting, KPI-Dashboards, Predictive Analytics) - Nutzung künstlicher Intelligenz → Artificial Intelligence
(z. B. Dokumentenverarbeitung, Entscheidungsunterstützung, Generative AI)
Ergänzend gilt für jeden Business Case:
- Foundation → Platform Foundation
(Runtime, Security, Identity)
Die Foundation ist keine eigenständige fachliche Kategorie, sondern die technische und organisatorische Basis, auf der alle anderen BTP-Services betrieben werden. Sie stellt sicher, dass Lösungen sicher, betreibbar, skalierbar und regelkonform umgesetzt werden können.
Bei komplexeren Business Cases kann es sinnvoll sein, den Business Case in Teilprozesse zu unterteilen, um anschließend die Teilprozesse den Kategorien zuzuordnen.
4. Referenzarchitekturen und SAP Guidance nutzen
SAP stellt mit dem SAP Discovery Center und dem BTP Guidance Framework strukturierte Entscheidungshilfen bereit, darunter:
- bewährte Referenzarchitekturen für typische Business Cases
- empfohlene Service-Kombinationen
- Architekturprinzipien und Best Practices
Gerade bei hybriden Landschaften oder komplexen Integrationsszenarien sind diese Vorgaben ein zentraler Anker, um Architekturentscheidungen nachvollziehbar und zukunftssicher zu treffen. Case in Teilprozesse zu unterteilen, um anschließend die Teilprozesse den Kategorien zuzuordnen.
5. Betrieb, Governance und Skalierung mitdenken
Abschließend sollte jeder Business Case auch unter betrieblichen Gesichtspunkten bewertet werden:
- Wer betreibt die Lösung?
- Welche Sicherheits- und Compliance-Anforderungen bestehen?
- Wie skaliert die Lösung bei wachsender Nutzung?
Die SAP BTP bringt hierfür zentrale Mechanismen für Security, Identity, Monitoring und Lifecycle-Management mit – ein klarer Vorteil gegenüber isolierten Cloud-Einzellösungen.
Sie stehen vor der Frage, wie Sie die SAP BTP sinnvoll in Ihre Systemlandschaft integrieren? Lassen Sie uns gemeinsam Ihren Business Case analysieren und eine passende BTP-Architektur entwerfen.
| Falls Sie tiefere Einblicke zur Einführung des SAP BTP Services Integration Suite erhalten möchten, können wir unseren Techblog „Erfolgreiche Einführung von SAP Integration Suite: Worauf es ankommt“ empfehlen. |
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