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Weniger KI, mehr IDE: Produktivität dort steigern, wo der Code entsteht

Ein Impulsbeitrag von Marco Neuhaus aus dem Segment Finance & Public

IDE-Plugins statt „nur“ KI-Hype – Maßgeschneiderte  Plugins, die Code-Analysen erweitern, CI/CD-Integrationen ermöglichen und projektspezifische Regeln direkt in der IDE verfügbar machen.

Jede Woche neue KI-Tools, jeder Tag neue Versprechen – doch wie viel Prozent der Entwickler-Produktivität hat KI wirklich verbessert? Aktuell wird die Softwareentwicklungsbranche stark durch KI vorangetrieben. Beim Vibe Coding wird der Quellcode nahezu vollständig aus den Anweisungen eines LLMs generiert.

Es hat sich jedoch auch gezeigt, dass KI in den falschen Händen eher zum Stolperstein als zu einem echten Produktivitätsbooster wird. Zwar können mit KI auf kurze Sicht schneller neue Projekte gestartet werden. Dabei entstehen jedoch auch schnell große Mengen an Quellcode, den der Programmierer selbst nicht mehr versteht. Kritische Fehler oder Sicherheitslücken bleiben so schnell unentdeckt. Alle Korrekturen werden entsprechend aufwändiger.

Im KI-Umfeld werden täglich neue Zahlen präsentiert und ausgereiftere Modelle vorgestellt. Die Modelle werden immer besser darin, komplexe Aufgaben zu bewältigen. Entscheidend ist jedoch, inwiefern diese Aufgaben den Alltag in der Software-Entwicklung abbilden. Welchen Nutzen ziehen Unternehmen konkret? Etwa schnellere Backlog-Pflege, automatisierte Tests, bessere Code-Qualität. Und wo stößt KI schnell an Grenzen? Bei Kontexttiefe, Compliance (Security, Lizenzen, PII), Nicht-Determinismus und über Jahre gewachsenen Architekturen.

Grenze 1: Firmenspezifischer Kontext

Im Umgang mit etablierten Frameworks fehlt der KI das Verständnis. Die Modelle wurden auf Quellcode aus öffentlichen Repositories trainiert und können daher nur diesen wiedergeben. Der Kontext der internen Frameworks oder Bestandsprojekte führt zu Halluzinationen. Das Training eigener Modelle ist komplex und kostenintensiv.

Grenze 2: Individuelle Entwicklungsprozesse

Jedes Unternehmen hat CI/CD-Integrationen, welche auf seine Organisation und die Software-Lösung abgestimmt sind. CI/CD-Pipelines bestehen typischerweise aus einer Kette verschiedener Dienste, die im Zusammenspiel arbeiten.

Grenze 3: Security & Dependency-Management

LLMs eröffnen neue Angriffsflächen: Ungeprüfte Benutzereingaben können eine sogenannte Prompt-Injection auslösen, wodurch Angreifer Anweisungen manipulieren und das System kompromittieren können. Schon im Entwicklungsprozess besteht durch KI die Gefahr, dass ein Angreifer die von Sprachmodellen halluzinierten, nicht existenten Abhängigkeiten erkennen und unter dem gleichen Namen mit schadhaften Inhalten veröffentlichen kann. Dadurch können Entwickler diese kompromittierten Pakete unbeabsichtigt in ihre Projekte integrieren.

Grenze 4: Entwicklung neuer Logiken ohne Vorlagen

Nicht jedes Programm ist bereits drei Mal entwickelt worden und ist Bestandteil der verwendeten Trainingsdaten. Ein Programm zum Aufteilen von PDF-Dokumenten kann KI schnell generieren. Rufnummer-Bereiche in dekadische Blöcke umwandeln ist eine Herausforderung und erfordert schnell genau so viel „Prompting“ wie Java-Code.

All diese Herausforderungen können nicht allein durch KI gelöst werden. IDE‑Plugins bringen Kontext, Regeln und Automatisierung direkt in den Entwicklungsfluss.

KI kann nicht alle Probleme lösen, sondern bringt auch neue Herausforderungen mit sich. Unternehmen sollten sich daher auch damit beschäftigen, welche Maßnahmen sie ergreifen können, um die damit einhergehenden Risiken zu minimieren. Eine Möglichkeit, die Arbeit von Entwicklungsteams zu optimieren, besteht darin, den Prozess an der Stelle zu verbessern, an der im Grunde die meiste und wesentlichste Arbeit durchgeführt wird – die IDE.

Weniger KI, mehr IDE: JetBrains ist z.B. einer der Marktführer für Entwicklungsumgebungen und bietet für alle gängigen Programmiersprachen eine IDE-Lösung an. Zu den bekanntesten Produkten zählen IntelliJ für Java, PyCharm für Python, WebStorm für die Webentwicklung und Rider für .NET. Dabei basieren alle JetBrains-Produkte auf der IntelliJ-Plattform, welche mit dem JetBrains-SDK entwickelt wird.

Die IntelliJ Plattform bietet individuelle Erweiterungsmöglichkeiten: Für die Entwicklung von Plugins für die IntelliJ-Plattform ist ein Verständnis der fundamentalen Konzepte der Plattform erforderlich, welche sehr gut dokumentiert sind.

Visual Studio Code ist eine andere sehr beliebte weltweit genutzte Entwicklungsumgebungen – leichtgewichtig, plattformübergreifend und durch eine riesige Erweiterungslandschaft sehr gut anpassbar.

Ob Syntax-Highlighting, Code-Inspektionen, Refactoring-Tools oder die Integration externer Dienste wie CI/CD-Pipelines und Cloud-Umgebungen – Erweiterungen lassen sich für fast alle modernen IDEs zielgerichtet entwickeln. Solche Erweiterungen lassen sich i.d.R. leicht intern oder öffentlich via Marketplace verteilen.

  • Zugeschnittene Code-Inspektionen für die statische Codeanalyse:
    Eine statische Codeanalyse hilft Entwicklungsteams, die vereinbarten Qualitätsstandards einzuhalten und lesbaren, wartbaren und sicheren Code zu erstellen. Über das Plugin-System können neue Regeln für die statische Codeanalyse erstellt werden. Hiermit werden spezielle Vorgaben bereits zur Entwicklungszeit in der IDE geprüft und dem Entwickler durch entsprechende Hinweise aufmerksam gemacht. Dieser kann die Änderungen direkt als Quick-Fixes übernehmen und anwenden.
  • Unterstützung für interne DSL-Sprachen:
    Zur Konfiguration und Speicherung von Metadaten werden im Low-Code/No-Code-Bereich oder im Game Development beispielsweise eigene DSL-Definitionen eingesetzt. Mit entsprechenden Erweiterungen können auch diese in die Entwicklungsumgebung integriert werden. Neben der Syntaxprüfung und Autovervollständigung können auch Referenzen zum klassischen Code als Inlay-Hint hergestellt werden. So können beispielsweise Metadaten aus einer Datei als Grundlage für Vorschläge im Code-Editor dienen und gleichzeitig validiert werden.
  • Anbindung externer Dienste:
    Hierbei werden externe Dienste, die für den Entwicklungsprozess erforderlich sind, direkt in die Entwicklungsumgebung integriert. Ein Beispiel hierfür ist die Anbindung eines externen Übersetzungsdienstes zur Pflege von Übersetzungen in einer Softwarelösung. Über die IDE können während der Entwicklung direkt neue Übersetzungen erkannt, angepasst und überflüssige entfernt werden.
  • Erstellung komplett eigener IDEs:
    Visual Studio Code ist Open Source auf GitHub verfügbar und kann somit auch als Grundlage für eigene Software dienen. Dies kann insbesondere für Lösungen eine Option sein, die leistungsstarke Editorfunktionalitäten erfordern. Die Grundfunktionen werden dabei von VS Code bereitgestellt und mithilfe eines entsprechenden Plug-ins angepasst.

Um KI in den Entwicklungsprozess und in die Organisation zu integrieren, empfehlen wir, KI-Tools erst in Projekten einzusetzen, nachdem entsprechende Maßnahmen zur Kompensation der Risiken umgesetzt wurden:

  • Verfügt das Projekt über eine geeignete Testabdeckung in Form von UI-Tests oder Unit-Tests? Für die Implementierung einer automatisierten Teststrategie eignet sich beispielsweise das Robot-Framework.
  • Wird im Projekt ein statischer Codescanner eingesetzt, um den Quellcode zu überprüfen?
  • Wie wird das Dependency-Management im Projekt durchgeführt? Werden die Abhängigkeiten im Projekt regelmäßig auf Schwachstellen überprüft?
  • Werden Code-Reviews durchgeführt?

Mit IDE-Plugins können KI-Tools sicher in Softwareprojekten eingesetzt werden. Das Compliance-Team hat die Aufgabe, sich der Risiken bewusst zu sein und entsprechende Maßnahmen zu treffen.

Individuelle Erweiterungen für das JetBrains- oder auch Visual Studio Code-Ökosystem können die Produktivität und Effizienz von Entwicklungsteams steigern. Gerade in Zeiten der KI ist es wichtig, schnell auf dem Markt agieren zu können, ohne dabei die Qualität der Software aus den Augen zu verlieren.

Unsere Erfahrung: Mit unserem Low-Code-Framework CoreFrame wird ein Großteil des Programmcodes bereits automatisiert aus der fachlichen Spezifikation generiert. Durch Wiederverwendung und Automatisierung im Rahmen der agilen Entwicklung reduzieren wir damit die Time-To-Market und erhöhen die Qualität der Software. Automationswerkzeuge erlauben die Konzentration auf die fachliche Anwendungsentwicklung, reduzieren wiederkehrende Aufgaben und damit bis zu 75 % des Entwicklungsaufwands. Sprich: Produktivität dort steigern, wo der Code entsteht.

Für viele Unternehmen bedeutet dies, dass sie ihre Entwicklungsprozesse enger an die IDE koppeln können – sei es durch maßgeschneiderte Code-Inspektionen, Integrationen in CI/CD-Pipelines oder domänenspezifische Erweiterungen.

Mit der wachsenden Komplexität von Softwareprojekten gewinnen IDE-Plugins zunehmend an Bedeutung – insbesondere dort, wo Entwicklungsrichtlinien, Architekturvorgaben und Compliance-Vorgaben direkt im Entwicklungsumfeld verankert werden. Typische Tätigkeitsfelder, die sich in diesem Kontext bewährt haben, sind zum Beispiel:

  • Entwicklung & Pflege von Plugins
  • Interner Rollout & Marketplace‑Publishing
  • Individuelle KI‑Funktionen (datenschutzkonform)
  • Schulung von Entwicklungsteams zur Optimierung des Entwicklungsprozesses
  • Erweiterte Codeanalysen, sichere KI‑Einführung
  • Low‑Code‑Integrationen (z. B. Drag‑and‑Drop‑UI‑Designer)
  • Testautomation fürs Release‑Management

Setzen Sie auf gezielte IDE-Integration: Wir unterstützen Ihre Entwicklerteams dort, wo Code entsteht, mit maßgeschneiderten Plugins für Ihre Entwickler. Sprechen Sie uns an!

Phillip Conrad

Segment Manager
p.conrad@smf.de

Phillip Conrad

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